Besserwisser, Wichtigtuer und Paranoiker – was man vor fünf Jahren über Blogger dachte

Gepostet am 1 Aug 2012

In der Ferienzeit geht es in vielen Unternehmen ein wenig ruhiger zu – nutzen Sie doch die Sommerpause einfach, um den eigenen Internetauftritt ein bisschen zu überarbeiten und sich eventuell auch endlich ein Corporate Blog einzurichten! Denn zu einem zeitgemäßen Firmenauftritt gehört ein Corporate Blog dazu. Doch wie funktioniert so ein Blog? Was muss man beachten? Wie hält man ein Blog am Laufen? Welche Themen sind interessant, welche nicht? Wie macht man ein Blog bekannt und wie schafft man es, gewonnene Leser zu behalten? Und bringt so ein Blog überhaupt etwas? – In den nächsten Wochen werde ich in einem kleinen Sommer-Special darüber erzählen und einige Tipps geben.

In der Serie bisher erschienen: Einleitung: “Sommer-Special Corporate Blogs” sowie Teil 1: “Über Push” und “Pull” in der Unternehmenskommunikation und darüber, warum Blogs so großartig sind”. In der nächsten Folge geht es um die Geschichte des Bloggens.

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Es ist keine fünf Jahre her, da wurden das Internet noch als vorübergehende Erscheinung und Blogs als nicht ernstzunehmende Tagebücher von Freaks betrachtet. Netzwertig.com hatte sich im September 2007 mal die Mühe gemacht, eine Liste mit 50 Zitaten über das Internet und Blogs von Prominenten, Politikern, PR-Leuten und Journalisten zusammenzustellen. Die Liste war damals schon sehr unterhaltsam, heute aber, fünf Jahre später, ist sie es noch viel mehr. Und man kann auf wunderbare Weise sehen, wie sehr sich seitdem die Wahrnehmung über Blogs verändert hat. Denn wer käme heute noch auf die Idee, Blogs wie zum Beispiel das Bildblog, das Lawblog von Udo Vetter oder das Medienblog von Stefan Niggemeier als “peinlich und pubertär” zu bezeichnen oder sich darüber zu beschweren, dass Leute in Blogs “ungefragt ihre Meinung äußern” (Jean-Remy von Matt)? Eben!

Dazu kommt, dass sich Blogs mittlerweile völlig unauffällig in unseren Internet-Alltag integriert haben, denn Blogs sind im Grunde nicht viel mehr als dynamische Websiten, auf denen man auf sehr einfache Weise Texte, Fotos, Filme oder Tondokumente veröffentlichen kann, während die Leser diese Inhalte per Feed abonnieren oder sogar Kommentare hinterlassen können – also genau das, was mittlerweile jede kleine Tageszeitung auf ihrem Online-Auftritt bietet oder die ganz großen Zeitungen und Magazine wie die Süddeutsche, Spiegel online, das Handelsblatt, die FAZ und wie sie alle heißen. Die meisten Unternehmensseiten basieren mittlerweile außerdem auf Blogsystemen wie WordPress, denn sie funktionieren zuverlässig, bieten unendlich viele Gestaltungsmöglichkeiten und kosten nicht so viel wie ein CMS, das man sich für viel Geld kaufen oder mieten muss. Blogs sind mittlerweile aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken – doch vor einigen Jahren sah man das halt noch ein wenig anders…

Hier die Zitate:

  • “Blogger verdienen nach meiner Ansicht nicht den Schutz des Artikel 5.” (Stephan Holthoff-Pförtner, Gesellschafter der “Westdeutschen Allgemeinen Zeitung”, auf dem Medienforum NRW 2007, Quelle)
  • “Na ja gut, es gibt das Internet. Aber es dauert zu lange, bis Sie sich dort alles zusammengesucht haben, und dann sollten Sie es auch noch an diesem unsäglich doofen Bildschirm lesen. Da hilft die Zeitung und sagt: Das ist heute für dich wichtig.” (Michael Ringier, Verleger, im Interview mit der taz, 15.09.2007, Quelle)
  • “Besserwissern, Wichtigtuern oder Paranoikern, die sich im normal life intellektuell verkannt, sozial missachtet fühlen oder einfach viel Zeit haben, bietet das Web 2.0 ein überaus reichhaltiges Angebot, ihren Neigungen rund um die Uhr nachzugehen. «You can’t always get what you want» – diese Songzeile der Rolling Stones von 1969 gilt fortan vielleicht nur für ihr reales Leben, aber nicht mehr für ihre virtuelle Existenz. Im Mitmach-Web bekommen sie jenen sozialen Kredit oder können jenes soziale Kapital anhäufen, das sie im Alltagsleben vermissen oder das ihnen aus welchen Gründen auch immer von Kollegen, Freunden oder Bekannten vorenthalten wird.” (Rudolf Maresch im Januar 2007 in Telepolis, Quelle)
  • “Im Internet wird zwar wahrscheinlich mehr kritisiert als in allen Zeitungen zusammen, aber kein Schwein interessiert das. Da gibt es Blogs und persönliche Homepages und weiß der Teufel was. Das findet aber niemand.” (Michael Ringier, Verleger, im Interview mit der taz, 15.09.2007, Quelle)
  • “Was berechtigt eigentlich jeden Computerbesitzer, ungefragt seine Meinung abzusondern?” (Jean-Remy von Matt im Januar 2006 über Weblogs, die “Klowände des Internets”, Quelle)
  • “Die guten Redaktionen sollten ihre Siele geschlossen halten, damit der ganze Dreck von unten nicht durch ihre Scheißhäuser nach oben kommt.” (Hans-Ulrich Jörges vom Stern im Juni 2007 über die “Blog-Szene”, Quelle)
  • “Seit Internetnutzer ihre Bilder und Texte unkontrolliert auf extra dafür geschaffene Webseiten stellen können, scheint die Moral im Netz endgültig erodiert. Gewaltvideos und selbst gedrehte Pornos sind besonders beliebt. Auf Blogs, eine Art von Internettagebüchern und Kommentarseiten, beschimpfen sich User gegenseitig als Idioten oder drohen einander Schläge an.” (Marco Stahlhut im April 2007 anlässlich der re:publica bei Welt Online, Quelle)
  • “Blogs sind ja eine Aneinanderreihung von persönlichen Befindlichkeiten von Leuten, die eigentlich für den Journalismus oder für die Öffentlichkeit keine wirkliche Bedeutung haben.” (Manfred Bissinger, vielfacher ehemaliger Chefredakteur, im Deutschlandfunk, Mai 2007, [Quelle (mp3), gefunden bei Stefan Niggemeier)
  • “Schwätzen macht Spaß. Bloggen ist sogar geil. In Wahrheit ist es peinlich und pubertär.” (Klaus Kocks, PR-Berater, im November 2006, Quelle)
  • “Blogs werden zu Briefen – und die werden ja auch oft nicht gelesen.” (Norbert Bolz, Medienwissenschaftler und Zukunftsforscher, auf der Next07-Konferenz, zitiert nach Thomas Knüwer, Quelle)

Ich habe bei Netzwertig natürlich nachgefragt, ob ich die Zitate hier nochmals verbloggen darf – dafür nochmals vielen Dank!

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Der Artikel erschien im Rahmen meines Sommer-Specials über Corporate Blogs:

Einleitung: “Sommer-Special Corporate Blogs”
Teil 1: “11Gründe, warum Google+ und Facebook kein Ersatz für ein Corporate Blog sind”
Teil 2: “Über Push” und “Pull” in der Unternehmenskommunikation und darüber, warum Blogs so großartig sind”
Teil 3: “Besserwisser, Wichtigtuer und Paranoiker – Was man vor fünf Jahren über Blogger dachte”
Teil 4: “Die Geschichte des Weblogs”
Teil 5: “Tipps zur Bildernutzung im Internet

 

Daniela Warndorf, 40, lebt in Köln. Seit 2005 Inhaberin von warndorf Konzept, Text & PR – Büro für Kommunikation. Beschäftigt sich mit den Themen Kommunikation, digitales Leben, mobiles Arbeiten, Crafting und Fotografieren.

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  1. Dentaku » Vielleicht sollte ich auf mein… - [...] ich auf meinem Blog mal ein paar Leute als Idioten beschimpfen und ihnen Schläge androhen… warndorf.com/2012/08/bloggen-und-internet-2007/  #  Microblog     ...
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