11 Gründe, warum Google+ und Facebook keine Alternative zum Corporate Blog sind

In der Karrierebibel wurde in dieser Woche ein Artikel veröffentlicht, in dem ein Auftritt bei Google+ als ideale Alternative für ein Corporate Blog empfohlen wurden. Auch bei Google+ wurde darüber anschließend diskutiert.

Für mich war das auch insofern interessant, weil ich mich erst am Tag zuvor noch mit einem Kunden genau darüber unterhalten hatte. Er überlegte sich, statt eines Blogs eine Facebook-Seite anzulegen, weil er den Aufwand, den ein Blog mit sich bringt, nicht auf sich nehmen möchte und es auch nicht kann, während er andererseits aber etwas für die Suchmaschinenoptimierung tun möchte.

Natürlich unterscheidet sich Facebook allein durch die dort erreichbare Zielgruppe deutlich von Google+, die Argumente, die dagegen sprechen, die eine oder die andere Plattform als Alternative zu einem selbstgehostetem Corporate Blog zu wählen, sind aber die gleichen. Gefunden habe ich elf gute Gründe:

1. Das Design: Beide Plattformen bieten nur rudimentäre Möglichkeiten, das eigene Corporate Design umzusetzen – nämlich im Header und im Profilbild. Alles weitere ist vorgegeben. Somit lassen sich die Seiten kaum individualisieren. Ein Corporate Blog dagegen bietet geradezu unendlich viele Möglichkeiten, was Design oder die Integration verschiedener Plugins angeht.

2. Fehlende Archiv-Funktion: Bei beiden Plattformen ist es geradezu unmöglich, ältere Inhalte wiederzufinden. Der tolle Artikel der letzte Woche, in dem so viele Leute mitdiskutiert haben, ist somit ganz schnell in Vergessenheit geraten und neue Leser werden kaum auf ihn stoßen. In einem Blog dagegen lassen sich alle Artikel über Kategorien, Schlagworte, Archive, Kalender oder Suchfunktionen schnell finden, besondere Artikel kann man außerdem oben halten oder aber zumindest in der Menüleiste prominent auf ihn hinweisen.

3. Abhängigkeit: Was mit der Plattform geschieht, entscheidet alleine der Inhaber. Er kann sie jederzeit schließen oder auch nur einfach eine Seite löschen. Und wenn es dann die eigene ist, ist die Katastrophe da. Genau das passiert aber mmer wieder sowohl bei Google+ als auch bei Facebook. Ärgerlich, wenn man Zeit und Mühe investiert hat und man vielleicht auch noch viele Fans, Freunde oder Follower hatte. In diesem Fall einen Ansprechpartner zu finden, der einem erklärt, warum das passiert ist und was man tun muss, damit die Seite wieder erreichbar ist, ist mehr als schwierig. Daneben überträgt man dem Betreiber in der Regel die Rechte auf alle Inhalte zur weiteren Verwendung. Auf einem selbstgehosteten Blog bleibt man dagegen immer der Inhaber aller Inhalte und kann selber entscheiden, was mit diesen passiert.

4. Inhalte exportieren: Möchte man irgendwann einmal in ein neues Blog umziehen, kann man die Inhalte nicht einfach exportieren, um sie dort einzubinden. Selbstgehostete Blogs dagegen bieten diese Möglichkeit – für WordPress beispielsweise gibt es praktische kostenlose Plugins, mit denen ein Umzug unkompliziert zu bewerkstelligen ist. Ebenso lassen sich alle Bloginhalte somit einfach auf der Festplatte archivieren.

5. Textedition: Die Möglichkeiten, Texte zu editieren, sind bei Google+ und Facebook mehr als rudimentär. Bei Facebook lassen sich außerdem nachträglich geschriebene Posts nicht mehr korrigieren – ärgerlich, wenn man sich vertippt hat. Der Beitrag muss gelöscht und neu gepostet werden.

6. Kein RSS, kein E-Mail-Abo: In Corporate Blogs lassen sich RSS-Feeds und E-Mail-Abos einfach einrichten – Leser werden somit automatisch über neue Artikel informiert oder können sie in ihrem Mailpostfach oder im Feedreader lesen, ohne die Seite nochmals extra besuchen zu müssen. Das Abo erfolgt außerdem anonym, niemand bekommt mit, dass man mitliest. Bei nicht auf privat geschalteten Google+ oder Facebook-Seiten oder Beiträgen kann man natürlich auch so reinschauen, muss die Seite aber immer extra dafür besuchen. Und selbst, wenn man dem Autoren folgt, gehen neue Beiträge im Stream auch schnell mal unter, denn die Halbwertszeit beträgt nur wenige Stunden.

7. Apps: Die mobile Nutzung macht momentan weder bei Facebook noch bei Google+ sonderlich viel Freude. Die offiziellen fürs Smarthone (Android und iPhone) laufen nur sehr holprig und langsam oder nerven durch nicht abstellbare Meldungen wie bei der Google+ App – diese habe ich daher seit Monaten nicht mehr benutzt. Bei Google+ gucke ich entsprechend mittlerweile nur noch einmal pro Tag hinein und das war es dann auch. In der Facebook-App fehlt dann außerdem die elementare Sharing-Funktion, ich kann also als Lesser für interessant befundene Artikel mobil nicht weiter innerhalb von Facebook teilen.

8. Teilen nach außerhalb: Artikel bei Facebook oder Google+ können auch webbasiert nur innerhalb der Plattform geteilt werden, nicht aber nach draußen, zum Beispiel in Twitter. Auch lassen sich interessante Artikel nicht einfach per Mail irgendwohin schicken. In einem Corporate Blog dagegen lassen sich Sharing-Funktionen problemlos einbauen, WordPress zum Beispiel bietet eine riesige Anzahl entsprechender kostenloser Plugins, mit denen Artikel in Facebook, Google+, Twitter oder per Mail teilen lassen.

9. Statistik: Für normale Seiten bei Google+ oder Facebook gibt es gar keine, für Facebook- sowie Google+ nur rudimentäre Statistik-Tools. Für Corporate Blogs gibt es dagegen deutlich mehr Möglichkeiten.

10. Reichweite: Es wird oft damit argumentiert, man erreiche bei Google+ oder Facebook mehr Leser. Ich bin allerdings der Meinung, dass die Streuverluste dabei enorm hoch: Nicht jeder, der einem auf einer der beiden Plattformen folgt, nimmt alle Artikel wahr. Und wenn doch, werden diese mit weniger Aufmerksamkeit gelesen – die Haltung, mit der man sich dort mit dem Stream klickt, ist eine ganz andere als die, mit der man bewusst einen Blogfeed abonniert oder ein Blog besucht. Dazu kommt, dass viele Leute einem folgen, ohne sich aber wirklich für das, was man tut, zu interessieren – und je mehr Follower, Fans oder Freunde man hat, umso größer wird genau dieser Anteil im Verhältnis.

11. Wertigkeit: Ich persönlich finde, dass es ein bisschen seltsam wirkt, wenn ein Unternehmen zwar auf Google+ und Facebook bloggt, aber kein eigenes Corporate Blog hat. Das wirkt auf mich so, als wolle man sich den Aufwand sparen, sich über ein Blogkonzept Gedanken zu machen oder sich wirklich inhaltlich mit Themen auseinandersetzen. Ein Blog zu betreiben und regelmäßig etwas zu bloggen, macht eben einfach mehr Arbeit, als mal eben schnell was bei in der Timeline rauszuhauen, um ein wenig Aufmerksamkeit zu bekommen. Corporate Blogs ermöglichen, mehr Substanz zu bilden und sie auch zu zeigen.

Ich bin mir sicher, ich habe den ein oder anderen Aspekt nicht erwähnt – entsprechend freue ich über Feedback.

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Der Artikel erschien im Rahmen meines Sommer-Specials über Corporate Blogs:

Einleitung: “Sommer-Special Corporate Blogs”
Teil 1: “11Gründe, warum Google+ und Facebook kein Ersatz für ein Corporate Blog sind”
Teil 2: “Über Push” und “Pull” in der Unternehmenskommunikation und darüber, warum Blogs so großartig sind”
Teil 3: “Besserwisser, Wichtigtuer und Paranoiker – Was man vor fünf Jahren über Blogger dachte”
Teil 4: “Die Geschichte des Weblogs”
Teil 5: “Tipps zur Bildernutzung im Internet

5 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich finde, du hast viele wesentlichen Punkte genannt, auch wenn ich dem letzten nicht ganz zustimme. Darüber hinaus, denke ich aber auch, dass Facebook oder g+ einfach nicht so seriös wirkt und man sich eventuell auch von vornherein Leser verspielt, die diese Netzwerke nicht gutheißen. Die Abneigung gegen diese Netzwerke wächst momentan ja doch wieder, wie man z.B. bei Twitter mitbekommt. Einen individuell gestalteten Blog finde ich auf jeden Fall ansprechender.

  2. Interessante Ansicht. Vieles habe ich dabei noch gar nicht aus dieser Sicht gesehen und da muss ich doch zustimmen. Denke, dass sich auch in Zukunft immer mehr Leute von den Netzwerken wie Google+ oder Facebook abwenden und wieder auf selbst gestaltete Blogs zurückgreifen.

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