Tschüss Google+ – ich bin raus

Und gestern habe ich dann meine Seite bei Google+ gelöscht. Seit Juni war ich dort mit einem Profil vertreten, gleich am ersten Tag, als die Betaversion an den Start ging, hatte ich mich angemeldet. Zuletzt hatte ich etwa 2200 Folllower – eine ganz schöne Zahl eigentlich. Nur: Google+ hat mich zum Schluss eigentlich nur noch genervt. Meine Seite dort zu löschen, war von daher nur konsequent, denn ich bin davon überzeugt: Social Media muss Spaß machen. Und Google+ hat mir schon lange keinen Spaß mehr gemacht. Zu den Gründen möchte ich hier ein paar Dinge sagen:

Benachrichtigungen: Da war zum Beispiel die Sache mit den Benachrichtigungen: Egal, auf welchem Google-Angebot man sich gerade bewegt, das kleine rote Kästchen oben rechts zeigte einem immer an, was gerade auf Google+ läuft: Wer folgt einem neu, wer hat gerade wo etwas kommentiert, wo wurde man getaggt. Eigentlich praktisch, aber: Permanent wurden mir Meldungen angezeigt, die ich schon längst gesehen hatte. Besonders schlimm war das auf der App fürs iPhone – die landete daher auch recht schnell irgendwo ganz hinten auf dem Display. Die App war aber sowieso völliger Quatsch, denn bis heute kann man damit keine Beiträge aus der Timeline teilen.

Nervige Follerverwaltung: Auch nervig: Die dürftigen Möglichkeiten der Followerverwaltung. Als sich in den ersten Tagen und Wochen vor allem Leute aus meinem Twitter-Umfeld bei Google+ anmeldeten, funktionierte das mit dem Folgen noch ganz gut: Die Zahl war überschaubar, ich kannte fast alle der anderen Early Adopter und wusste somit, wen ich interessant und folgenswert fand. So hatte ich dann auch recht schnell eine sehr nette Timeline zusammen, in der viel und interessant diskutiert wurde. Es herrschte eine positive Aufbruchsstimmung – und ich fand es toll, hier ausführlich mit anderen diskutieren zu können.

Nur: Recht schnell waren die Grenzen von Google+ ausgelotet – die anfängliche Euphorie verschwand. Die Extras wie die Hangouts interessierten mich zum Beispiel nicht. Viele waren außerdem davon genervt, dass vor allem über Social Media-Themen diskutiert wurde, während die bei Twitter beliebten Wortspielereien, Privatheiten und Meme hier weniger interessierten. Viele Profile verwaisten recht schnell, viele wurden gelöscht – nur leider unbemerkt, denn um zu sehen, dass jemand nicht mehr aktiv ist, muss man erst einmal in den eigenen Circles das Profil heraussuchen und es dann anklicken. Das ist umständlich. Auch bei neuen Followern ist es nicht so einfach, sich schnell ein Bild über die Person zu machen. Zwar bekam ich Neuzugänge sofort über das kleine rote Kästchen angezeigt, bis ich aber wusste, mit wem ich es zu tun habe, musste ich drei oder vier Mal herumklickseln. Hatte ich aber meist keine Lust darauf, vor allem nicht, weil ich an manchen Tagen bis zu 20 oder mehr neue Follower bekam. Ich hörte also irgendwann auf, gezielt nach neuen Plussern zu gucken oder mir anzuschauen, wer mir so alles folgt, geschweige denn, Leute in Circles zu verwalten. Hat man dann aber irgendwann mal eine größere Anzahl von Leuten, denen man folgt oder von denen man verfolgt wird, ist es wahnsinnig umständlich, die Circles ordentlich zu strukturieren.

Bei Twitter zum Beispiel muss ich auch erst ins Profil klickseln, um mir ein Bild zu  machen – aber ich kann hier superschnell anhand des Avatars, der Kurzbeschreibung oder der letzten drei Tweets erkennen, ob man miteinander kann oder eben nicht. Vor allem aber kann ich das, wenn ich will, innerhalb von fünf Minuten einmal in der Woche regeln – denn unter “Follower” sehe ich ja, übersichtlich nach Datum aufgelistet, wer zuletzt dazugekommen ist. Ich habe auch wesentlich mehr Nachrichten in meiner Timeline stehen und sehe so recht schnell, wenn jemand mit Tweets im Minutentakt, Gechatte oder Unfug nervt. Und bei Facebook ist das Folgen bei mir sowieso anders organisiert: Ich habe mein Profil geschlossen und biete auch kein Abonnement an – folgen geht hier nur auf Gegenseitigkeit und so fragen in der Regel auch nur Leute an, die einen Bezug zu mir haben und mir auch wirklich folgen möchten.

Die Sache mit der Klarnamenpflicht: Ein weiteres Problem bei der Followerverwaltung: Google+ erlaubte anfangs nicht, dass sich Leute unter ihren bei Twitter bekannten Nicknames anmeldeten, sondern verlangte Klarnamen. Wer das ignorierte, wurde rausgeworfen. Für mein Profil fand ich das in Ordnung, ich wollte mich nicht wirklich als „Frau Elise“ anmelden – aber ich bin mir sicher, ich hätte viel mehr interessante Leute dort gefunden, hätte ich nach ihren Nicknames suchen können – und auch umgekehrt hätte ich sicherlich mehr interessante Follower bekommen, hätten sie gewusst, dass ich Frau Elise bin. Bis zum Sommer hatte ich bei Twitter ja meinen realen Namen nicht im Profil stehen. Und so hatte ich dann zuletzt zwar viele Follower, wusste aber entweder nicht, dass ich sie von anderen Seiten her kannte – oder aber es waren Leute, die keinerlei Bezug zu mir hatten, die mir halt folgten, weil sie mein Profil irgendwo bei irgendwelchen Kommentaren gesehen hatten. Leute, mit denen ich auch nicht unbedingt etwas zu tun haben wollte, die sich aber nicht ignorieren ließen, weil sie dann auch gerne unter jedem meiner Beiträge ihren Senf dazugeben mussten. Zum Schluss hatte ich einen richtigen Fanclub, der sich regelmässig mit altklugen Kommentaren zu Wort meldete.

Aus dem Vollen schröpfen: Überhaupt, mit der Klarnamen-Diskussion hat Google schnell gezeigt, worum es wirklich geht: Nicht um die User an sich, sondern um die Daten der User und eine größtmögliche interne Verknüpfung der einzelnen Google-Angebote, die ja auch nicht lange auf sich warten ließ. Das ist natürlich nicht wirklich überraschend und natürlich weiss ich, wie ich mich verhalten muss, um das Angebot trotzdem zu meinem Vorteil nutzen zu können, aber: Wie Google+ seine Nutzer schröpft, ist furchtbar unsympathisch. Und zwar noch unsympathischer als Facebook es je sein könnte. Und ich halte es auch für gefährlicher. Ich habe mich jedenfalls recht schnell gegen den Google-Kalender und das Adressbuch entschieden. Google-Mail nutze ich auch so gut wie gar nicht. Und wenn ich nach etwas gegoogelt habe, habe ich mich vorab ausgeloggt.

Spam: Seit Januar dann gab es noch eine sehr nervige Spam-Welle: Ständig wurde ich von irgendwelchen mir völlig unbekannten Menschen auf irgendwelchen Fotos getaggt. Warum? Vermutlich, um Aufmerksamkeit zu erregen. Mal waren es Fotos mit irgendwelchen Modells, die auf zweifelhaften Website verlinkten, mal Fotos von irgendwelchen Sprachkursen, an denen ich angeblich teilgenommen haben soll oder Fotos von irgendwelchen privaten Feiern, und, und, und. Abstellen ließ sich das leider nicht, weil ich ja eine öffentliche Seite hatte – jeder, der wollte, konnte mich also irgendwo taggen. Nur: ich habe keine Lust, dauernd irgendwo zu klickeln zu müssen, damit diese Taggs nicht gesetzt werden.

Nun sind die genannten Punkte einzeln genommen vielleicht nicht so schwerwiegend, aber in ihrer Häufung habe ich Google+ zum Schluss nur noch als nervig empfunden und mich dort nicht mehr wohlgefühlt. Ich bin gerne im Netz aktiv und nutze dafür verschiedene Möglichkeiten bei Twitter, bei Facebook, in meinen Blogs, bei Path und seit neuestem auch ein bisschen bei Pinterest. Aber: dabei geht es mir nicht darum, einfach nur etwas ins Internet zu schreiben, mir geht es dabei um den Kontakt zu den anderen, ob ich nun berufliches oder weniger berufliches schreibe.  Und so war es für mich an der Zeit, zu gehen. Tschüss Google+, ich bin raus.

Veröffentlicht von

www.warndorf.com

Daniela Warndorf ist seit 2005 Inhaberin von warndorf Konzept, Text & PR und lebt in Köln. Kontakt: TwitterFacebookFacebook-SeiteGoogle+XingPinterestFlickrInstagram

13 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für die ausführliche Auflistung. Es geht mir mit Google+ nämlich ganz genauso wie dir und auch aus ziemlich genau denselben Gründen, und jetzt kann ich einfach immer hierher verlinken, wenn mich jemand fragt :)

  2. > Die App war aber sowieso völliger Quatsch, denn bis heute kann man damit > keine Beiträge aus der Timeline teilen.

    Waaaas? Das geht schon seit gefühlt 27 Versionen! Bei Facebook hab ich diese Funktion in der App aber noch nicht gefunden.

  3. Ach so ja, ich hab Android. Kann natürlich sein, dass die iPhone App da etwas hinterherhinkt. Google kümmert sich womöglich eher erstmal um das eigene System :)

  4. Also ich müsste mich arg täuschen und ich habe die App fürs iPhone zum Schluss auch nicht mehr wirklich genutzt, aber ich meine wirklich, dass man dort nicht teilen konnte – und das letzte Update ist auch schon eine Weile her. Ich hatte Google+ deswegen übrigens auch schon mal geschrieben – irgendwo konnte man Bugs melden. Im Prinzip ist es auch nicht wirklich so schlimm, aber es sind halt zu viele Dinge, die mich dort stören.

  5. Hallo Aljoscha, danke! Es ist natürlich meine rein subjektive Wahrnehmung, die ich hier beschreibe. Aber vielleicht hilft der Link ja anderen weiter :)

  6. So ist es. Ich war ja auch schon einmal weg, musste dann leider wieder einsteigen, weil ich es mir im Hinblick auf meine Beratertätigkeit einfach nicht leisten kann, nicht über das m.A. nach künftig vermutlich wichtigste Netzwerk der Welt Bescheid zu wissen. Was tun, wenn die Kunden danach fragen und zu Recht erwarten, daß ich sie über Vor- und Nachteile dort aufklären kann? — Aber jetzt ist ziemlich eindeutig, wie der Hase läuft und die aktualisierten Haftbedingungen ab März haben mir die Entscheidung, zum zweiten Mal zu gehen, leicht werden lassen. Ab 1.3. ist für mich dort Schicht.

    Du sagst sehr richtig: Social Media muss Spaß machen. Und Google Plus hat mir nch nie Spaß gemacht, aus all den von Dir erwähnten Gründen und noch einigen mehr. Wenn man „sofocht Puls kriegt“, angesichts der dauernden roten Benachrichtigungskringel auf der nutzlosen App und in der Menüleiste, dann sollte man gehen, bevor man sich ein Magengeschwür einfängt.

    Google kann einfach kein Social, so wenig wie ein Huhn fliegen kann.

  7. @Kiki @drikkes – ich habe mir das aus Jobgründen auch sehr lange überlegt – habe aber festgestellt: Mein Netzwerk und meine Kunden erreiche ich über Facebook und Twitter eher – weil da insgesamt wesentlich mehr Leute sind, bzw. die Art der Bindung dazu auch noch viel stärker ist als es bei G+ je sein könnte – und somit eine ganz andere Qualität hat. Leser, die, die ich über G+ zusätzlich zu meinen bestehenden Lesern erreiche, sind eher Leute, mit denen ich nicht unbedingt zusammenarbeiten würde. Das Publikum ist einfach jeweils ein ganz anderes auf den unterschiedlichen Plattformen.

    Ich muss dazu aber glaube ich nochmal was hier schreiben. Ich habe gestern zum Beispiel auch noch gar nichts zum Thema Inhalt gesagt.

  8. Ich muß halt für Kunden auf deren G+Pages posten, da läßt es sich nicht vermeiden, selbst dort angemeldet zu sein. Kundenkontakt minimiere ich ja aus Prinzip, aber ich bin auch Festangestellter, da geht das.

  9. Zur Ehrenrettung von Google sei gesagt, dass es die
    gleichen Dienste auch in kostenpflichtiger Variante gibt

    (http://www.google.com/enterprise/apps/business/)

    diese nutzen wir unternehmensweit und sind begeistert von der
    Android Integration. Aus Apple Sicht kein Lifestyle Produkte,
    sondern Hardware wird zu Schüttgut – wir verschenken
    mittlerweile mit unseren Branchen-Apps auf die Hardware….

    Die Google Business Apps sind domain-zentriert und lassen
    sich zentral verwalten, so dass wir jetzt als nächsten Schritt
    Apps-in-der-Fertigung einführen, um mit mobilen Glassscheiben
    den Desktop Rechner zu ersetzen….

    Android rsp. Google Produkte haben Vorteile als Consumer Artikel
    und – weil offenes Linux System – im B2B Bereich.
    (http://ichsagmal.com/2012/07/04/umsatze-oder-gerate-zoo-uber-den-zerstuckelten-android-markt-und-eine-empfehlung-an-microsoft-apple-zu-kopieren/#comments)

    Gruss in die Rund :D

Hinterlasse eine Antwort


Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>