Gepostet am 20 Jan 2011
In der Januar-Ausgabe beschäftigt sich das Mediummagazin näher mit dem Thema Honorare für PR-Texter, dazu erschien der Artikel „Besser kalkulieren. Was freie PR-Berater für ihre Arbeit verlangen können und auch sollten“ (Seite 53 bis 57). Mit fünf weiteren Kollegen bin ich dafür von der Autorin in einem Mini-Interview befragt worden. Der Artikel kann von Abonnenten kostenlos heruntergeladen werden, Nicht-Abonnenten steht er ab dem 30. Januar zur Verfügung – den Link ergänze ich dann hier. Auch hier in meinem Blog schreibe ich immer wieder über die Sache mit den Honoraren: Texter haben es oft nicht leicht, denn auf dem Markt gibt es eine große Konkurrenz. Da drängen sich zum einen unzählige Hobbyautoren, die sich, weil sie „halt gerne schreiben“ und damals, vor 20 Jahren, im Deutschunterricht eine 2 hatten, zum professionellen Texterdasein berufen fühlen. Daneben sind es aber vor allem die vielen Journalisten, die ihrem eigentlichen Job den Rücken gekehrt haben – oder besser: kehren mussten, weil die Verlage schon lange nicht mehr ordentlich für Leistung zahlen wollen, so dass man sich als freier Journalist durch seinen Beruf oft kaum finanziell über Wasser halten kann. Das drückt natürlich dann auch die Preise auf dem Textermarkt und führt als Folge oft zu Verunsicherung. Lieber für einen Dumpingpreis arbeiten, als den Job erst gar nicht bekommen und die Miete, den Strom oder die Kosten für den Internetanschluss wieder nicht bezahlen können.
Viele Texter aber bieten ihre Leistungen automatisch und aus Unwissen zu viel zu günstigen Preisen an: Warum soll eine Stunde Texten 60, 70 oder 80 Euro kosten, wenn der Heizungsinstallateur für seine Dienstleistung doch 45 Euro pro Stunde abrechnet? Dass er dabei nicht nur die tatsächliche Installationsarbeit verrechnet, sondern auf die Stoppuhr drückt, wenn er morgens die neue Heizung auf den Lieferwagen packt, bevor er dann zum Kunden fährt und dass er erst wieder auf „Stopp“ drückt, wenn er dann abends zurück in der Werkstatt ist und das Garagentor schließt, ist dabei vielen nicht klar. Oder dass Heizung oder Ersatzteile extra kosten. Auch nicht, dass man als Texter selten eine Auslastung wie eben jener Heizungsinstallateur haben wird – man verdient eben nicht 40 mal diese 45 Euro, sondern vielleicht nur 10 oder 20 mal pro Woche. Gute Texte basieren außerdem immer auf intensiven Recherchen und/ oder ausführlichen Briefings – die Vorbereitungen benötigen oftmals viel mehr Zeit als das eigentliche Texten. Und dann sind da oft noch die Nachbereitungen – Texte verlängern oder verkürzen, weil der Grafiker auf einmal mehr oder weniger Platz in der Broschüre hat oder weil dem Kunden noch Dinge eingefallen sind, die im Briefing nicht genannt worden sind. Und dabei kann man eben auch nicht immer wie der Installateur die Stoppuhr mitlaufen lassen.
Das alles muss in einer Kalkulation bedacht werden. Oft hilft es bei Honorarverhandlungen übrigens auch, den Spieß umzudrehen und den Kunden einfach zu fragen, was er ausgeben möchte. Und dann anhand der Summe auflisten, was dafür gemacht werden kann.
Oder anders: Wer ein frisches Vollkornbrot mit gesunden Zutaten haben will, muss beim Bäcker dafür 2 oder 3 Euro bezahlen. Wer für die gleiche Menge Brot aber nur 39 Cent ausgeben will, bekommt dafür im Diskounter halt eben nur die Packung Aufbackbrötchen – und ich habe noch niemanden erlebt, der beim Bäcker sagte: Nö, die 2 Euro, die Du haben willst, zahle ich nicht, ich gebe Dir dafür aber gerne 40 Cent, das ist das gleiche, was ich im Diskounter zahlen muss.
Ein wichtiges Thema – und sooooo komplex!
Auch ich kenne viele (Neu)Kunden, die schnaufen, wenn wir unsere Stundensätze oder Tagespauschalen nennen: “Und weshalb sind Sie noch hier und nicht in der Karibik?”
Abgesehen davon, dass wir unter den in den Tabellen genannten Honoraren liegen, erkläre ich es so: Wir sind Handwerker – genau wie ein Heizungsinstallateur. Das bedeutet
1. Wir verdienen nur, wenn wir händisch (oder hirnisch) arbeiten – es gibt kein Produkt, das einmal entwickelt und beworben wird und sich dann 100- oder 1000-fach verkauft
2. Wir können nur leisten, was in unseren zeitlichen Möglichkeiten liegt. Wenn wir Miete & Co. zahlen wollen, können wir nicht den Tag verlängern – wir können aber adäquate Preise nehmen
3. Beispiel Website oder Flyer für Leistungen / Produkte, die sich in absehbarer Zeit nicht ändern: Da wir unseren Job gut machen, brauchen Sie uns danach nicht mehr. Ein Layout steht für die nächsten Jahre, ein guter Text ebenso. Wir haben also keine Wartungspauschale, Sie bringen Ihre Website auch nicht regelmäßig zu uns, um sie auf den TÜV vorzubereiten, sie geht auch nicht “kaputt” und muss repariert werden …
4. Wenn Sie den Meister buchen, kostet’s eben mehr, als wenn es der Lehrling oder auch der Geselle macht – Erfahrung ist ein Wert, der eigentlich unbezahlbar ist.
Das Problem ist, dass viele mit Werbe- oder PR-Maßnahmen unerfahrene Neukunden den Wert unserer Leistung noch immer unterschätzen. Sie denken: Zur Not könnte ich das selbst – die haben einfach nur mehr Schreibtalent, beherrschen Rechtschreibung und Grammatik besser. Und überhaupt können die das doch viel schneller als ich (-> Paha, eines meiner “Lieblingsargumente”).
Dass Texten aber weit mehr ist, als Wörter fehlerfrei aneinander zu reihen. Ja das begreifen einige eben erst, wenn sie bereits einen “Texter” ausprobiert haben, dessen Haupt-Referenz die 2 ist, die “er früher immer in Deutsch hatte”.
Haha, Punkt 3 ist gut, ja, da ist es nämlich auch: Hat man den Kunden mit Texten versorgt, sieht man ihn erstmal eine ganze Weile nicht mehr, denn gute Texte gehen ja nicht kaputt. Manche Texter kommen dabei aber auch schon wieder ins Zweifeln und meinen, der Kunde kommt nicht mehr, weil er unzufrieden ist. Stimmt aber gar nicht, weil genau das Gegenteil der Fall ist.
Guten Tag
Ich kann nur aus der Branche der Webdesigner sprechen – aber da ist die Problematik gleichgelagert. Die niedrige Einstiegshürden des Berufs machen den Preis kaputt. Da hilft für Profis nur eines – qualitativ verkaufen und sich nicht dumpen lassen. Ich weiss nicht, ob es für Texter auch eine Referenzstelle für Preise gibt. Unser Webkalkulator bietet genau das an – aber eben nur für Webdienstleister. Die Preise dort, helfen manchem Webdesigner seine Kunden zu überzeugen.
Viele Grüsse
@Daniela Nicht, dass jetzt jemand auf die Idee kommt, absichtlich Fehler einzubauen, damit der Kunde auch wieder kommt! :DD
@Rudolf Bösinger Die durchschnittlichen Preise, die in der Tabelle auf der Website genannt werden, beziehen sich aber nur aufs Layout, oder sollen da Programmierung und Text auch mit drin sein? oO’
Der Vergleich mit den Handwerkern kam mir schon öfter – schließlich schaffen wir auch ein Werk. Allerdings ohne Kilometergeld oder Anfahrtspauschalen zu verrechnen ohne “Meisterstundensatz” oder “Gesellenabrechnung”…
Und zum Schluss kann die Sekretärin das zur Not doch auch machen, nicht? herrje…
Ich verdiene schon seit mehr als 20 Jahren mein Geld als Freelance-Texter.
Wenn ich z. B. den Bereich “Seotexte” und “Onpage-Suchmaschinenoptimierung” betrachte, frage ich mich, wie jemand für nur 1 Cent pro Wort einen Webseiten-Text mit knackigen Headlines und überzeugenden Argumenten schreiben kann, der suchmaschinenoptimiert ist, die Bedürfnisse der potenziellen Kunden berücksichtigt, alle Keyfeatures kommuniziert, zu einer Handlung motiviert (Leads, Anfragen), und, und, und. 1 Cent pro Wort: das sind 3 Euro für 1 DIN A 4 Seite (1.800 Norm-Anschläge bei 6 Buchstaben pro Wort).
Laut dem Verband der freien Werbetexter und dem AGD Vergütungstarif (Allianz Deutscher Designer) sind dafür ca. 300 Euro fällig (plus MwSt. und Nutzungsrechte). Das ist das 100fache !!!
Auf der anderen Seite zahlen Kunden für die Leistungen von SEO-Agenturen zwischen 2.000 und 20.000 Euro pro Monat!!!
Fazit: Das beste ist eine hohe Nachfrage nach der eigenen Leistung, dann kann man sich die Kunden aussuchen und seine Preise besser durchsetzen. Ich versuche das durch eine gute Suchmaschinenoptimierung meiner Website, über die ich schon zahlreiche, lukrative Aufträge generiert habe. Weiterer Vorteil einer gut optimierten Website: “Die Kunden kommen zu dir und haben einen konkreten Bedarf”.
Wer nähere Informationen über angemessene Texter-Honorare sucht, kann gerne auf meiner Website nachsehen, auf der ich eine detaillierte Preisübersicht für Texter-Leistungen aufgeführt habe.
@CreativConsult: Im Netz gut gefunden zu werden, ist sicher nicht schlecht. Aber ich denke, wer gute Referenzen aufweisen kann, kommt sicher weiter. Damit meine ich nicht nur Kunden, für die man bisher gearbeitet hat, sondern auch Empfehlungen Dritter und natürlich die Reputation – was hat derjenige bisher so gemacht, in welchem Umfeld bewegt er sich, mit wem arbeitet er zusammen und so weiter. Die Chemie muss schliesslich stimmen. Meiner Meinung nach ist das viel wichtiger, vor allem, weil es ja auch darum geht, eventuell länger zusammen zu arbeiten. Entsprechend schaue ich bei neuen Kunden auch vorab genau, ob es auch wirklich passt.
Hallo in die Runde,
ja, das ist eine schwierige Sache mit den Honorarverhandlungen. :-)
Das Wichtigste ist, selbstbewusst (nicht arrogant) aufzutreten und sich seiner Leistung bewusst zu sein. So mein bisheriges Fazit, als noch relativ “frische” freiberufliche Schreiberin am Markt. Was nutzen 20 schlecht bezahlte Aufträge, wenn ich vier gut entlohnte erhalten kann. Meine Zeit ist für mich wertvoll. Ich möchte diese nicht verschenken.
lg
Sigrid Grammer
Viele Kunden sind sich auch nicht bewusst, dass sie bei einem Text ein einmaliges Nutzungsrecht erwerben. Stattdessen landet der eine Text überall, auf Flyern, in Zeitschriften, Anzeigen etc. Aber wer hat schon so viel Arsch in der Hose, seinem Kunden dafür nochmal Geld abzuknöpfen?