Über das Urheberrecht

Mit großer Freude las ich gestern im Blog von Stefan Niggemeier den Artikel Gericht erklärt „Geo“: Autoren haben Rechte: Der freie Autor Christian Jungblut hatte sich darüber geärgert, dass das Magazin „Geo“ einen bestellten Artikel in massiver Form verändert hatte, bevor er gedruckt worden war. Änderungen, mit denen Jungblut so nicht einverstanden gewesen war, so dass er dem Magazin eigentlich untersagt hatte, seinen Text in dieser neuen Form zu veröffentlichen.

Das hatte die Redaktion allerdings wenig gekümmert.  Weil das Verhalten nicht nur unverschämt ist, sondern auch offenkundig Grundsätzliches wie das Urheberrecht verletzt, ging Jungblut vor Gericht. Und bekam Recht: Texte dürfen nicht in einer solchen massiven Form verändert werden, wenn der Autor damit nicht einverstanden ist. Das ist insofern großartig, weil es sich bei dieser Geschichte um einen Sachverhalt handelt, mit dem sich die meisten freien Journalisten tagtäglich konfrontiert sehen. Und in der Regel dagegen wenig tun können, weil sie sich in einem Abhängigkeitsverhältnis zur Redaktion befinden. Wer zu viel Ärger macht, bekommt halt keine Aufträge mehr, fertig. Da wird nicht mehr groß darüber gesprochen, das wird einfach so gemacht. Denn es gibt genügend freie Journalisten auf dem Markt. Die dann auch oft genug bereit sind, für noch weniger Geld zu arbeiten.

Natürlich ist es wichtig, dass ein eingesandter Text nochmals redigiert wird. Aber es kommt eben darauf an, wie es gemacht wird. Und es geht nicht immer nur um den persönlichen Stil des Autoren, sondern um Inhalte.

Mir ist es schon passiert, dass meine Artikel so sehr gekürzt wurden, dass nicht nur Anschlüsse überhaupt nicht mehr stimmten, sondern der Text schlichtweg falsch wiedergegeben wurde. Und dass mich nach Erscheinen der Publikation Interviewpartner anriefen, um mir mitzuteilen, dass sie das so nie gesagt hätten. Peinlich. In der Redaktion nachgefragt, was denn da passiert sei, hieß es: Ja, wir hatten halt keine Zeit mehr, Dich anzurufen, um das zu besprechen, die Praktikantin hat daher einfach mal gekürzt.“ Aha. Eine sachliche Diskussion führte zu keiner Verbesserung: Als ich für die nächste Ausgabe einen Artikel über einen Disput schrieb, in dem ich beide Streitparteien zu Wort kommen ließ, wurde wieder gekürzt, indem einfach der ganze Absatz, in dem die zweite Partei zu Wort gekommen war, gestrichen wurde. Diesmal gab man mir zwar vor Druck Bescheid. Als ich der Redakteurin während des Gespräches erklärte, dass es zum Grundsatz journalistischen Arbeitens gehört, in einer Streitfrage beide Parteien zu Wort kommen zu lassen und dass ich den Artikel daher in diesem Fall lieber umschreiben würde (Statement der anderen Partei kürzen, dafür aber beide Parteien wieder zu Wort kommen lassen), erklärte mir die Dame: Dafür sei jetzt keine Zeit mehr, sie hätte mich ja nur informieren wollen und man gehe jetzt in Druck. Immerhin konnte ich noch durchsetzen, dass ich nicht mehr als Autorin des Textes genannt wurde.

Dass die Zusammenarbeit bald endete, muss ich wohl nicht erklären. Manchchmal schaue ich heute noch in das Blatt und gucke, wer dort so alles schreibt – erfahrene Journalisten kann ich keine finden, dafür aber  die berühmten schreibenden Hausfrauen, Hobbyautoren und natürlich auch Studenten, die sich mit dem Job ein Taschengeld verdienen. Während die Redaktionsleitung die Hälfte ihrer Arbeitszeit mittlerweile damit verbringt, das Blatt in InDesign zu layouten, weil der dahinterstehende Verlag die Ausgaben für die Grafikagentur, die das bisher gemacht hatte, gekürzt hat.

Soll heißen: Nicht persönliche Animositäten der Redakteure sind der Grund für den respektlosen Umgang mit ihren Autoren. Geschichten. Es sind viel mehr die Verlage, die dahinterstehen. Die weniger Wert auf journalistisches Handwerk, sondern eben auf den Profit legen.

Nun handelt es sich in diesem Fall um ein kleines Lokalblatt ohne besondere Marktrelevanz. Da solches und ähnliches Gebaren aber eben auch bei den Großen wie Gruner + Jahr üblich ist, ist das Hamburger Urteil mehr als wichtig.

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Weitere Artikel zum Thema:

Magda – das Magazin der Autoren, Artikel von Wolfgang Michal: “Die Handschrift des Reporters”

Freischreiber, Interview von Kai Schächtele mit Christian Jungblut: “Was dem einen seine Eule, ist dem anderen seine Nachtigall”

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